Ein Wein machte Karriere. Sein Name: Sauvignon blanc.
Die Rebsorte ist zwar seit Jahrhunderten in Bordeaux ebenso geschätzt wie an der Loire, wo sie in Gemeinden wie Sancerre und Pouilly-Fumé zu Hause ist. Und jeder Sancerre ist wie jeder Pouilly Fumé ein hundertprozentiger Sauvignon blanc.
Auch in Österreich und hier speziell in der Südsteiermark sowie im Burgenland, zunehmend in Niederösterreich, hat die Traube, früher Muskat-Sylvaner oder auch Feigentraube genannt, Tradition.
Aber zum internationalen Tausendsassa ist der Wein erst in den letzten Jahren geworden. Seine große Stärke ist die Kombination von rassiger Frische mit würziger Aromatik. Ein Sauvignon blanc ist stets mehr flottes Cabrio als biedere Limousine.
Grob gerastert unterscheidet man zwei Stilarten:
Der klassische Typ. Der Wein wird in großen Holzfässern oder Edelstahltanks so ausgebaut, dass die natürlichen fruchtigen Eigenschaften pur erhalten bleiben. Das ergibt Gewächse mit den für die Rebsorte charakteristischen Aromen: kräuterige, vegetabile, obst-beerige und mineralische Töne. Diesen Sauvignons entströmt ein Duft nach Paprikaschoten, Brennnesseln, grünem Spargel, frisch geschnittenem Gras, auch nach Mineralien, Kräutern, Holunder und schwarzen Johannisbeeren. Generell gilt: je feiner die Aromen, umso besser ist der Wein. Lautes Parfum ist ordinär. Dieser klassische Sauvignon wird speziell an der Loire, in Neuseeland und Österreich gepflegt, teils auch in Südafrika.
Der internationale Typ. Der Wein reift in kleinen, Barriques genannten Holzfässchen aus neuer Eiche. Das Holz aromatisiert den Wein mit süßlich-vanilligen, gewürzigen und auch toastigen Tönen. Zuviel Eichenparfum verfremdet allerdings die natürliche Frucht des Sauvignon blanc. Es bedarf viel Erfahrung und Fingerspitzengefühls, um die ideale Balance zwischen Naturfrucht und Holzwürze, Weinsäure und Eichentannin zu erzielen, abgesehen davon, dass es nur bei kapitalen Gewächsen sinnig ist, sie neuem Holz auszusetzen.
Obwohl der Sauvignon blanc in den vergangenen zehn Jahren international eine geradezu sensationelle Karriere gemacht hat, ist er keine Diva wie der Chardonnay. Er hat weder die blumige Finesse eines Rieslings noch die rosenhafte Delikatesse des Traminers oder die geschmeidige Fülle des Weißburgunders. Seine Stärke liegt in der einmaligen Kombination von würzigen Aromen mit frischer Säure. Und es ist das reich nuancierte Geschmacksbild, das am Sauvignon blanc begeistert: Er hat einen speziellen Sortencharakter, doch viele Gesichter - je nach regionaler Herkunft und Ausbaustil.
In der Steiermark wird der Sauvignon blanc in zwei Varianten ausgebaut. Die „Steirische Klassik“ genannte Linie ist meist eine „Cuvée“, also eine Mischung aus mehreren Lagen eines Jahrgangs, ausgebaut im Stahltank oder großem Holzfass. Das ergibt Weine von kerniger Würze, eher schlank als wuchtig. Bei den Lagenweinen stammen die Trauben von einem geographisch strikt begrenzten Weinberg. Je besser die Lage, desto feiner der Wein. Erstklassige Lagen sind beispielsweise Nußberg, Hochgrassnitzberg, Zieregg, Kranachberg, Steinberg, Steinbach, Sulz, Obegg, Pfarrweingarten, Welles. Diese Lagenweine sind kraftvoller in ihrer Statur, reicher sowie konzentrierter in der Aromatik, freilich auch teurer.
Auch wenn der Sauvignon blanc mehr Kumpeltyp als geschniegelter Elegant ist, so lässt er sich doch wie ein Joker famos und nahezu universal einsetzen. Er ist ein gastronomisches Genie. Der Wein passt als Aperitif, löscht den Durst und ist ein prächtiger Tischwein. In seiner frischen grünen Version harmoniert er ideal mit Salaten, leichten Vorspeisen (wie Sülzen, Carpaccio), Gemüse (perfekt zu Spargel, Erbsen, Lauch), Muscheln, Fischen und Meeresfrüchten (wie gratinierten und gekräuterten Scampi). Fülligere Sauvignons halten Geflügel und weißen Fleisch in cremigen Saucen ebenso stand wie Speisen, bei denen Kräuter geschmacklich dominieren (wie Lamm oder Rindfleisch in Kräuterkruste). Barrique-Sauvignons sind, vergleichbar den Chardonnays, auch gute Begleiter zu sahnigen Nudelgerichten, zu opulenten Aufläufen sowie zur asiatischen Küche. Für Paula Bosch, die versierte Sommeliere im Münchner Restaurant „Tantris“, ist der „Sauvignon ein Wein für viele Anlässe“. |