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Coole Sommerdrinks für laue Stunden
Trink-Art:
Es beginnt am späten Nachmittag mit einem sehnsuchtsvollen Geschmack im Mund, wie ein Verlangen nach Liebe. Gleich danach ist ganz klar: Ein eleganter Longdrink muss her, und zwar sofort. Nun gibt es zwei Möglichkeiten, dieses Verlangen zu befriedigen: selber mixen oder mixen lassen. Letzteres führt in eine Bar, eine American Bar, um genau zu sein, also eine jener Kammerbühnen des Abendlebens, in dem einem die gute Laune das Glas führt und die zarten Stückerln zu zweit gespielt werden. Beim Drink zu Hause kann man sich je nach Stimmung entspannen, mit Musik, einem Buch, auf der Terrasse oder im Bad. Sind Freunde angesagt, ist der Longdrink auch gleich der Willkommenstrunk für die heilige Stunde des Aperitifs.

Wie der Drink angelegt wird, ob flippig, klassisch, modisch, nur in einer Farbe, bunt, mit oder ohne Alkohol, süß, trocken, schlicht oder raffiniert, das entscheidet die Stimmung. Wesentliche Utensilien sind: ein hohes Glas, gestoßenes Eis, in der Barsprache „Crushed ice“ genannt (ist keine spezielle Maschine im Haus, werden Eiswürfel in ein Tuch gewickelt und mit Hammer oder anderem harten Gegenstand klein geschlagen), Selters, Sekt oder Champagner zum Auffüllen. Und die edle Mixerin oder der edle Mixer bedenke, dass der erste Drink des Tages der wichtigste ist, denn er wischt den Alltagsstaub von der Seele und stellt die Weichen für das Kommende.

In einer Umfrage unter Barkeepern hat „Drinks“, das Fachjournal der Deutschen Barkeeper-Union, registriert, dass exotische Longdrinks à la „Planter’s Punch“ oder „Pina Colada“, auch Tropicals genannt, immer noch hoch in der Gunst der Gäste stehen, speziell der weiblichen. Also bitte, beginnen wir gleich mit dem „Mojito“, Mochito gesprochen: Eine reife, ungespritzte Limone in Achtel teilen, in ein Glas geben und mit einem Stößel zerdrücken. Braunen Rohrzucker, ein, zwei Esslöffel, nach persönlichem Geschmack‚ nebst acht Minzeblättern dazugeben, auf den Limonen noch einmal etwas zerdrücken. Sechs Centiliter (cl) Rum ( weiß oder braun nach Gusto) dazugießen, das Glas mit Crushed ice auffüllen, Soda beifügen, mit einem Minzezweig dekorieren und mit Trinkhalm servieren.

Ein international rezeptierter Sommerdrink, also einer, der in Wien so schmecken muß wie in München, Madrid oder Tokio, ist der „Caruso“: je ein Drittel Gin, Noilly Prat und Crème de Menthe (grün) mit reichlich Eis im Shaker kurz und herrisch schütteln und abseihen – ein Drink für jede Tageszeit. Pur oder on the rocks läßt sich der „Derby New Fashion“ servieren: vier cl Gin, ein cl Crème de Menthe (grün) werden plus einem Spritzer Blue Curacao ordentlich geschüttelt, ins Glas geseiht und mit einem Minzeblatt garniert. Ebenso ästhetisch wie raffiniert ist die Champagner-Rose: zwei cl Rosensirup mit einem cl chinesischen Rosenschnaps auf Eis im Rührglas mischen, in ein kelchförmiges Glas abseihen, mit Champagner auffüllen und mit frisch gepflückten Blättern einer Freilandrose schmücken!

Aus Irland stammt der „Parrot“. Das ist ein Teil Pernod, gemischt mit fünf Teilen Eiswasser und angehübscht mit einigen Tropfen Minzlikör. Als „Appetiser“ vor dem Essen empfiehlt sich ein Cocktail aus einem Spritzer Anis plus je 2,5 cl Noilly Prat sowie Gin, zubereitet im Shaker und serviert mit etwas Zitronenschale. „Shaken“ heißt übrigens, dass die Zutaten auf Eis kurz und kräftig in einem geschlossenen Becher, eben dem „Shaker“, geschüttelt werden. Wer keinen Shaker zur Hand hat, kann auch ein leeres Gurkenglas verwenden, wichtig ist nur, dass bei der Prozedur, deren Funktion das Mischen und Kühlen der Ingredienzien ist, die Parole von Harry Craddock beherzigt wird, der in den Zwanzigern im Londoner “Savoy“ der swingenden Gesellschaft die Cocktails servierte: „Schüttle den Becher, nicht dich selbst.“

Zu den weltweit populärsten tropischen Longdrinks gehört übrigens der „Cuba Libre“ (sechs cl weißen Rum in ein Glas über Eiswürfel gießen, darüber eine 1/4 Limone auspressen, mit Coca Cola auffüllen und kurz verrühren). Brasilianisch ist der „Caipirinha“: Eine Limette achteln und im Glas mit Rohrzucker (weiß oder braun) zerstampfen. In Bars, wo Schlamper hinter dem Tresen stehen, wird anstelle des körnigen Rohrzuckers oft Zuckersirup aus der Flasche genommen. Das ist eine Schande, denn der Drink bekommt nur dann sein apartes Aroma, wenn durch das Zerstampfen der rauhen Zuckerkörner auf den Limetten die in der Haut sitzenden ätherischen Öle freigesetzt werden. Wenn sich Saft, Fruchtfleisch, Schalen und Zucker gut vermengt haben, cirka fünf cl Cachaca (Zuckerrohrschnaps) dazugeben, kräftig umrühren, das Glas mit Crushed ice auffüllen, nochmals umrühren und mit dicken Trinkhalmen anbieten.

Eine gloriose Wiederkehr feiert der “Tom Collins“: fünf cl Gin (sehr gut ist der „Sapphire“ von „Bombay‘s“), drei cl frisch gepressten Zitronensaft, einen halben Esslöffel Puderzucker mit Eiswürfeln im Shaker gut schütteln, in ein Glas seihen - auf Eis -‚ mit Soda auffüllen, nach Belieben mit einer Zitronenscheibe garnieren. Von Harry Craddock, dem weltberühmten Barman, stammt der „Apricot Cooler“: Saft einer halben Zitrone mit zwei Spritzern Grenadine und einem Likörglas Apricot Brandy gut schütteln, in ein hohes Glas seihen und mit Soda auffüllen.

Bestrickend altmodisch und immerwährend erfrischend ist der “Pimm’s No 1 Cup“: In ein großes Glas oder Krügel einige Eiswürfel geben, dazu fünf cl Pimm’s, je eine Scheibe Zitrone sowie Orange und eine spiralig geschnittene Gurke (ersatzweise eine Apfelspalte). Mit Ginger Ale randvoll auffüllen – sieht fröhlich aus und schmeckt auch so. Spanisch angehaucht ist der “Miß Sungaree“: fünf cl trockenen Sherry (kann ein Fino ebenso sein wie ein Oloroso; beste Qualität garantiert Emilio Lustau) mit zwei Teelöffel Zucker in ein Glas über Crushed ice geben, mit Selters auffüllen, umrühren, etwas Muskat darüber reiben und sofort trinken. Herrliche Sommerdrinks lassen sich mit Holundersirup machen: vier cl mit zwei cl frisch gepresstem Zitronensaft und vier cl trockenem Weißwein mit Eiswürfeln im Glas kurz verrühren und mit Schäumendem auffüllen, entweder Prosecco, Sekt oder Champagner.

Noch ein Geheimtipp ist der „White Port Special“, ein unkomplizierter und dabei delikater Drink auf der Basis von trockenem weißen Portwein: Port mit einem kräftigen Schuss Zitronensaft auf Crushed ice verrühren und mit Selters oder Champagner auffüllen. Das Mischungsverhältnis ist eine Frage des Temperaments; halbehalbe Port und Selters ist keine schlechte Relation. Der Drink kann mit einer dunklen Beerenfrucht garniert werden - wie Brombeere, Erdbeere etc. Überraschte Oh-Laute sind garantiert, wenn in die Eiswürfel frische Rosenblüten eingefroren sind, die im Glas auftauen, das Auge erfreuen, auch duften und genascht werden können.

Wie solche coolen Drinks, seien sie klassisch oder avantgardistisch angelegt, schrill oder einfach inszeniert, getrunken werden sollen, das hat Craddock, der legendäre Savoy-Barchef gesagt: “Schnell, solange sie dich anlächeln.“

Quelle: August F. Winkler
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