Sauvignon blanc: die unendliche Geschichte eines Erfolgs
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Grüngelb und gemächlich fließt der Zieregg 2005 des Winzers Manfred Tement ins Glas. Der Wein, ein Sauvignon blanc der Weltklasse, lag ein Jahr lang im Barrique, doch jetzt ist er in Flaschen gefüllt und verströmt im Nu seinen berückenden Duft nach dunklen Beeren, flankiert von exotischen Trockenfrüchten nebst einem aparten Hauch von Vanille und ein wenig Holunder im Hintergrund. Jeder Nasenzug und zumal jeder Schluck ist wie ein Schock des Glücks. Die Internationale der Weinfreunde erwartet solche Pretiosen wie ein Mann seine Geliebte, und tatsächlich gleicht der Siegeszug des Sauvignon blanc einer unendlichen Geschichte. Noch vor zwanzig Jahren rangierte diese Rebsorte weit abgeschlagen hinter Chardonnay und Riesling, doch inzwischen gilt der Sauvignon blanc, speziell was seine Eigenschaft als Essensbegleiter anbelangt, als gleichberechtigt.
Die neue Prominenz des Sauvignon blanc zeigt sich auch darin, dass die Rebe in Deutschland eine sensationell zu nennende Renaissance erlebt. Jahrzehntelang wurde die Traube stiefmütterlich behandelt, doch inzwischen setzen immer mehr heimische Winzer auf den Sauvignon blanc. Damit folgen sie dem Beispiel von Kollegen in anderen Regionen wie etwa Südtirol, Friaul, Südafrika, Neuseeland und vor allem der Steiermark, wo sich der Sauvignon blanc als Erfolgswein etabliert hat. Was deutsche Winzer wie Aufricht, Aldinger, Grimm, Wendel & Co vor allem in südwestlichen Regionen erzeugen, ist wohl achtbar, doch klassemäßig (noch) nicht auf dem hohen Niveau der steirischen Lagenweine, wie sie durch den Zieregg so perfekt vertreten werden.
Die steirischen Grands Crus, die kürzlich bei einer repräsentativen Vergleichsprobe mit 50 internationalen Sauvignon blancs blendend abschnitten und gleich reihenweise vordere Plätze belegten, zählen nicht nur zur Weltspitze, sie bilden sie. Entsprechend groß ist die Nachfrage, und wenn die Lagenweine des famosen Jahrgangs 2005 in diesen Tagen auf den Markt kommen, rechnen die deutschen Händler mit regem Kundeninteresse. In der Weinszene hat sich die Klasse eines 2005er-Zieeregg längst herumgesprochen. Der Wein hatte schon im frühen Stadium seiner Entwicklung verheißungsvoll geschmeckt. Und natürlich ist der Zieregg als Paradelage des Weinguts noch längst nicht ausgereift, gar fertig, aber – wie jeder große Wein – auch in seiner Jugend schon genussvoll zu trinken.
Gleiches gilt für die Lagen-Sauvignons anderer südsteirischer Winzer, die in der Regel nach einjähriger Reifezeit in großen oder kleinen Holzfässern in Flaschen gefüllt werden. Zum vinologischen Gotha zählen neben dem Zieregg von Tement: Nußberg von Groß, Moarfeitl von Neumeister, Obegg und Hochgrassnitzberg von E. & W. Polz, Kranachberg und Pfarrweingarten von Sattler, Steinbach und Welles von Lackner-Tinnacher, Poharnig von Erwin Sabathi. Darüber hinaus unterziehen einige Winzer ihre Lagenweine einer besonderen Selektion und bauen diese „Auslese“-Qualität als „Reserve“, „Privat“ oder anderem Titel aus. Die Brüder Polz sowie Sattler präsentieren beispielsweise einen „Privat“, Tement, Hannes Sabathi, Skoff und Harkamp eine „Reserve“, Erwin Sabathi den „Merveilleux“.
Während die Weine der „Steirischen Klassik“ grundsätzlich nicht in neuem Holz ausgebaut werden, ist bei den Lagenweinen die Reife in Barriques die Regel. Die„Steirische Klassik“ genannte Linie ist meist eine „Cuvée“ genannte Mischung aus mehreren Lagen, ausgebaut im Stahltank oder großem Holzfass. Das ergibt Weine von kerniger Würze, eher schlank als wuchtig. Bei den Lagenweinen stammen die Trauben von einem geographisch strikt begrenzten Weinberg. Je besser die Lage, desto feiner ist naturgemäß der Wein. Diese Lagenweine sind kraftvoller in ihrer Statur, reicher sowie konzentrierter in der Aromatik, freilich auch teurer.
Ein klassisch ausgebauter Sauvignon blanc ist eher der Kumpeltyp, wohingegen den Lagenweinen durchaus auch Eleganz attestiert werden kann. Unter den Weinen ist der Sauvignon blanc ein Joker par exzellence: er passt als Aperitif, löscht den Durst und ist ein prächtiger Tischwein. In seiner frischen Version harmoniert er ideal mit Salaten, leichten Vorspeisen (wie Sülzen, Carpaccio), Gemüse (perfekt zu Spargel, Erbsen, Lauch), Muscheln, Fischen und Meeresfrüchten (wie gratinierten und gekräuterten Scampi) sowie Gerichten der asiatischen Küche. Fülligere Sauvignons wie die Lagenweine halten Geflügel und weißem Fleisch in cremigen Saucen ebenso stand wie Speisen, bei denen Kräuter geschmacklich dominieren (wie Lamm oder Rindfleisch in Kräuterkruste). Die Reserve-Selektionen sind als Tischpartner – wie große burgundische Chardonnays - auch ideale Begleiter zu sahnigen Nudelgerichten und opulenten Aufläufen bis hin zu Braten von Kalb, Kaninchen, Ente und Gans.
Die vorzügliche Eigenschaft des Sauvignon blanc als Tischwein ist längst auch von Meisterköchen erkannt worden, die dazu raffinierte Speisen auftischen wie beispielsweise: Gänseleber mit Pflaumensauce, Hühneressenz exotisch, Wallerfilet mit Wurzelgemüse und Krensauce, Blut- und Leberwurst mit Sauerkraut und Trüffelpüree, Kutteln in Sauvignon mit Polenta, Bolito misto mit süßsaurem Kürbisgemüse. |
| Quelle: August F. Winkler |
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