10 Gründe, sich auf den Winter zu freuen
Ansichten: 12/06
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1 Die Tage schrumpfen fröstelnd, Morgen und Abend rücken enger zusammen. In den Gärten sind die letzten Farben ausgelöscht. Der Winter ist eine ernste Angelegenheit, aber bei aller Schwermut: Die Tage zwischen Dezember und März haben auch ihre gemütlichen Seiten zwischen High tea im Salon, Zigarre mit Port und Buch am knisternden Kamin, warmem Kerzenlicht, gebratenen Kastanien und Spaziergängen im Schnee oder über die festlich geschmückten Märkte.
2 Die kalte Jahreszeit ist wie keine andere Saison die Einladung zur Besinnung. Die menschliche Leib-Seele-Einheit bedarf im Rhythmus der Jahreszeiten der geistigen Reflexion.
3 So ein Wintertag hat seine speziellen Gerüche. Es düftelt nach Morgennebel und Laub, nach Nüssen und Früchtebrot, nach Glühwein, Vanillekipferl und Lebkuchen, nach Eintöpfen und Kohl, nach Austern und Muscheln, irgendwie auch wohlig nach Bettwärme und Weihrauch, nach Melancholie und Einkehr. Und nach Bratapfel! Wenn man das Backrohr öffnet und einem nebelschwadengleich der bestrickend altmodische Duft nach Zimt, Nelken und Rosinen in die Nase steigt, werden selbst Machos poetisch.
4 Düfte sind eine Macht. Zitrusdüfte hemmen die Produktion des Streßhormons Cortisol, Jasmin wiederum provoziert ein Hirnwellenmuster, das dem gleicht, wenn nach einem kurzen Nickerchen eine Tasse Kaffee getrunken wird. In alten buddhistischen Schriften kann man lesen, daß die Anwendung von Düften „Energie gibt, das Gesicht strahlen läßt und das Leben verlängert“. Zeit also für eine Duftlampe, echten Weihrauch, Myrrhe oder edle Gewürze, um damit ein Flanieren der Seele auszulösen.
5 Auch der Winter hat lichtvolle und sogar warme Tage: Ideal für Spaziergänge und Wanderungen in Parks, über Wiesen, Auen und durch Wälder abseits des städtischen Trubels.
6 Jetzt schlägt die Stunde der großen Braten. Man nehme eine Kalbsstelze, eine Lammhaxe, eine Gans, eine Ente oder den heimeligen Klassiker namens Schweinsbraten: nichts in der Küche hat mehr Erotik als ein mit Liebe zubereiteter Braten. Schon das appetitlich schimmernde, farblich ziemlich genau einer Stradivari gleichende Goldbraun einer Poularde ist pure Verheißung - ein Hochgenuß bereits für das Auge, noch bevor die Geschmacksnerven vergnüglich tänzeln und man spürt, dass dort, wo der Sonntagsbraten aufgetischt wird, auch soziale Harmonie herrscht. Und die Magensäfte beginnen begehrlich zu schnurren.
7 Kalte Tage lassen sich modisch reizvoll inszenieren; da kann man zeigen, welche schicken Mäntel, Pullover, Stiefel und Schals Frau sowie Mann haben. Und es lebe der Hut!
8 Wir kaufen uns einen Weihnachtsbaum und schmücken ihn.
9 Festtage: Das Telefon wird ausgestöpselt, Mozart aufgelegt und endlich wieder Literatur zur Hand genommen.
10 Silvester ist Zeit für einen großen Wein oder Champagner. Er soll uns bereits mit dem ersten Schluck in den Mittelpunkt des Weltalls versetzen und uns die Zeit träumend, Pläne schmiedend vergessen lassen. |
| Quelle: August F. Winkler |
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