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Neujahrswünsche eines hoffnungsfrohen Gourmets
Essen & Trinken an den Festtagen: 12/06
Das Schlaraffenland, in dem einem die Täubchen knusprig gebraten ins Maul fliegen, bleibt ein Märchen, sozusagen kulinarische Utopie. Das ist gut so, denn ein Leben mit täglich Kaviar, Trüffel, Gänseleber & Hummer wäre eintönig. Niemand mehr würde das prickelnd schöne Gefühl der Vorfreude empfinden. Ewige Sattheit wäre auch das Ende aller Hoffnung.

Andererseits sind wir vom Schlemmerparadies auch im Alltag gar nicht so weit entfernt: das gastronomische Niveau war noch nie zuvor so hoch. Gleiches gilt für Feinkost wie Getränke. Der Himmel hängt voller Delikatessen. Dennoch gibt es einige feinschmeckerische Wünsche für 2007. Beispielsweise...

...Obst und Gemüse mit mehr Aroma. Die vorzugsweise importierten oder in Glashäusern naturfern gezogenen Waren sehen zwar schön aus, als kämen sie direkt von einer Misswahl, aber es fehlt ihnen an fruchtiger Süße. Außen hui, innen pfui!

... im Gourmetlokal den Salzstreuer auf den Tisch. Starköche meinen, ihre Speisen seien perfekt gewürzt. Schon möglich, aber es gibt Tage, da verlangt die Körperchemie einfach nach mehr Salz: etwa nach Sport, Stress, Liebe, Kater etc. Schließlich sollen die Gastronomen den Gast verwöhnen, nicht bevormunden.

... von der Lufthansa qualitativ besseren Tee. Mitunter gelingt es ihr sogar, schwarzen Tee wie Kamillentee und - schlimmer noch - wie Kaffee schmecken zu lassen. Des weiteren wäre es lieb von der Lufthansa, wenn sie Sekt und Champagner in Gläsern anböte, in denen das Schaumige nicht gleich nach dem Einschenken seinen perlenden Geist aufgibt und matt im Glase liegt. Schampus ohne Mousseux ist ein Widerspruch: schaut fade aus und schmeckt auch so.

... Barkeeper, die nicht nur große Sprüche führen, sondern wieder lernen, wie man einen guten alten Dry Martini anrührt, nämlich ohne Eis, mit ungefüllten, nicht in Öl eingelegten Oliven und vor allem: mit weltbestem Gin (nicht „Gordon‘s“, bewahre, sondern „Tanqueray“ oder „Old R’A’J“) sowie „Noilly-Prat“, dem einzig wahren Vermouth für den echten Dry Martini.

... auf den Speisekarten die Eliminierung des lächerlichen Begriffs „Süppchen“. Eine Suppe ist eine Suppe und gehört zu den Dingen, die einen ehrlichen Namen tragen. Dabei soll es bleiben!

... mehr Demut bei gewissen Köchen. Einige spielen Genie in der Erwartung, auch als solches angesehen zu werden. Tiefer hängen, Freunde, tiefer. Wir lieben begnadete Köche und preisen ihre Künste, doch Vorsicht: Hochmut kommt vor dem Fall!

... von den Patissiers in den Restaurants weniger Eis- und Früchteteller (die kann man sich auch zu Hause problemlos anrichten), sondern mehr Miniatur-Mehlspeisen à la Quarkknödelchen, Apfelstrudel, Kaiserschmarrn.

... von den Japanern, dass sie wieder mehr Sake, von den Russen, dass sie wieder mehr Wodka, von den Chinesen, daß sie wieder mehr Tee und von den Amerikanern, dass sie wieder mehr Cola trinken, damit Champagner, deutsche Trockenbeerenauslesen und die großen Rotweine aus Burgund sowie Bordeaux dank gebremster Nachfrage im Preis fallen.

... nicht zuviel Design bei Weinflaschen. Gute Gewächse brauchen keine schnickschnackelige Dekoration, wie sie zunehmend die alten Etiketten verdrängt.

... von Metzgern bessere Schinken, die weder übersalzen noch zu stark geräuchert sind. Außerdem mehr, viel mehr Qualität bei der einfachen, doch handwerklich ziemlich vernachlässigten Fleischwurst.

... von den Landwirten, dass sie naturnäher arbeiten, was heißt: kleineres Gemüse anbieten mit mehr Geschmack anstelle der Zuchtriesen ohne Aroma; glücklichere Hühner, Kälber und Schweine, deren Fleisch in der Pfanne nicht schrumpft, sondern prächtige Braten ergibt. Der kundige Verbraucher wird für beste Qualität auch höhere Preise akzeptieren.

Ob alle Wünsche in Erfüllung gehen? Wohl kaum, aber Hoffnung, sagt der Philosoph, ist die freudige Erwartung an die Zukunft.
Quelle: August F. Winkler
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