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Grüner Veltliner: vom Heurigen zum Weltklassewein
Vom Aschenbrödel zur Prinzessin, so läßt sich die Laufbahn des Grünen Veltliner betiteln. Es ist eine Erfolgsgeschichte von säkularem Rang. Noch vor zwanzig Jahren waren es nur wenige Kenner und Liebhaber, die das enorme Potenzial dieser urösterreichischen Rebsorte hoch schätzten. Selbst Spitzenwinzer in der Wachau servierten in den frühen Achtzigern bei Proben den „Grünen“ vorneweg wie eine genante Pflichtübung als Auftakt für den Riesling, dem ihr Stolz galt. International war der Wein sowieso unbekannt, und so dümpelte er im Seichten. Der Grüne Veltliner galt halt als braver, unaufregender Kumpelwein, biedermeierlich wie das Land, gerade gut genug zur Jause, hollareidulliöööh, noch einen Liter vom Heurigen!

Doch auf einmal und ohne daß es dafür ein herausragendes Ereignis oder überhaupt einen klar greifbaren Zeitpunkt gibt, begann die wundersame Karriere des Grünen Veltliner. Die Wende setzte vor zehn bis fünfzehn Jahren ein, forciert von idealisierten Winzern, die mehr und mehr den Grünen Veltliner als originäres Pfund ansahen und ihn nicht länger stiefmütterlich, sondern mit dem gleichen Respekt behandelten wie beispielsweise den Riesling. Eine Serie großer Wachauer Jahrgänge wie 1990, 1993, 1994 auch bei F.X.Pichler, 1995, 1997, 1999 , 2000 und 2001 unterstützte naturgemäß den Prozeß. Mag sein, daß flankierend in der Presse wie beim Verbraucher ein gewisser  Überdruß am modischen Chardonnay mitspielte. Der Qualität förderlich war auch der Ehrgeiz der Winzer; jeder wollte der Bessere sein. Josef  Jamek, Franz Prager und der visionäre Willi Schwengler waren in den 80ern die Leitfiguren in der Wachau. Emmerich Knoll und F.X. Pichler sind mit ihren grandiosen Gewächsen und ihrer sportlich zu nennenden Rivalität die Vorbilder in den 90ern.

Jedenfalls raunten sich Weinfreunde immer inniger die Parole vom Grünen Veltliner zu. Journalisten rühmten die Tugenden der Rebsorte, Sommeliers wie der famose Adi Schmidt im Wiener „Steirereck“ protegierten den Wein, engagierte Händler pflegten ihn und bei Vergleichsproben, ob in der schönen „Krone“ in Assmannshausen oder der „Vievinum“, verwies der Grüne Veltliner immer öfter und immer eindrucksvoller namhafte Chardonnays aus aller Welt auf die Plätze. Kurzum, man erkannte zunehmend die vorzüglichen Eigenschaften  dieser urösterreichischen Sorte, beste Herkunft vorausgesetzt: kraftvolle, geschmeidig verwobene Struktur, burgundisch reiche  Aromatik, gewürzige Finesse, Langlebigkeit.

Selbstverständlich ist der Grüne Veltliner nicht neu erfunden worden. Die Rebsorte ist fast so österreichisch wie die Habsburger und ähnlich widersprüchlich, ja schizophren in ihrer qualitativen Bandbreite von klein bis groß und in ihren Spielarten von leicht bis schwer. Es gibt immer noch erbärmliche Gewächse – breit, parfümiert mit dem unseligen „Sämlington“ . Man findet viele schlicht gebaute „Grüne“ von sauberer Rustikalität – hübsche Kapellenweine für den Alltag. Und ganz oben in der Hierarchie strahlen die Prächtigen, also die besten „Smaragde“ aus der Wachau sowie die kapitalen Spätlesen aus Langenlois. Das sind die gloriosen Gewächse, die eine neue Sichtweise auf den Grünen Veltliner eröffnet haben, und vielleicht wird es später einmal heißen, daß die Einführung des „Smaragd“-Typs die Initialzündung für den unaufhaltsamen Aufstieg des Grünen Veltliner an die Weltspitze bedeutete.

Quelle: arsVivendi
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