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Grüner Veltliner: sensationelle Vergleichsprobe mit Chardonnay in London

Die These, wonach nicht Tatsachen, sondern Meinungen über Tatsachen das Bewußtsein des Menschen prägen, gilt fraglos auch für den Wein.

Ein Paradebeispiel ist der Grüne Veltliner. Nein, sie könne es nicht glauben, sagte Jancis Robinson, die renommierte Weinautorin, zu Jan Paulson, dem im bayerischen Waldkirchen lebenden Weinhändler schwedischer Abstammung mit der großen Liebe zu Bordeaux, Grünem Veltliner und Krachers Edelsüßen. Was die prominente Britin nicht glauben mochte, war das Ergebnis der großen Weltweinprobe im Wiener Hotel „Bristol“, wo im Juni 2002 Grüne Veltliner aus der Wachau und Langenlois im Rahmen einer verdeckten Verkostung mit internationalen Journalisten triumphal über namhafte Chardonnays aus Burgund sowie Übersee siegten – Chardonnays, die teils das Zehnfache eines Grünen Veltliner kosten. „Okay“, sagte Paulson mit frohgemutem Optimismus, „dann wiederholen wir die Probe in London.“

Gesagt und getan. Die ungläubige Jancis Robinson bekam die Chance, Chardonnays ihrer Wahl auszusuchen, die kürzlich mit den besten österreichischen Grünen Veltlinern im berühmten „Groucho Club“ in London von 17 britischen Journalisten, Importeuren und Sommeliers, Paulson inklusive, verkostet worden sind. Insgesamt gab es 18 Grüne Veltliner und Chardonnays aus Österreich sowie 18 Chardonnays aus Burgund und Übersee, darunter so exklusive Namen wie Ramonet, Sauzet, Leflaive, Latour, Kistler, Gantenbein, Gaja, Mondavi, Mulderbosch – kurzum, einige der berühmtesten und teuersten Gewächse aus aller Welt. Madame Robinson war nicht zimperlich bei der Auswahl.

Das Resultat war für die Österreicher so sensationell wie für Jancis Robinson lehrreich und für die vereinigten Chardonnays geradezu demütigend: Die ersten vier Plätze belegte Österreich, angeführt vom grandiosen 1990 Grüner Veltliner „Vinothekfüllung“ von Emmerich Knoll aus der Wachau, gefolgt von 1997 Grüner Veltliner „Ried Lamm“ von Bründlmayer (Langenlois), sowie 1997 Chardonnay „Tiglat“ von Velich aus dem Burgenland (!) und 1990 Grüner Veltliner „Steinriegl“ Smaragd vom Weingut Prager(Wachau). Erst auf Platz fünf rangierte als erster Nichtaustriake ein Chardonnay aus Übersee: 1998 Byron „Nielson Vineyards“ von Mondavi, Kalifornien. Insgesamt belegten die rotweißroten Weine sieben Plätze unter den ersten Zehn (Hirtzbergers 1995er „Honivogl“ Smaragd war leider korkkrank). Gut, ein Montrachet von Thénard ist nicht das Größte und Jadot hat ebenfalls schon bessere Zeiten gesehen, aber Sauzet mit Grand Cru, Leflaive und Ramonet mit Premier Crus sind ja wohl repräsentativ. Von Latour-Weinen mag man denken, was man will, der Corton-Charlemagne hat stets Klasse.

Nun wird es dienlich sein, nochmals darauf hinzuweisen, daß es sich bei den Verkostern in London zum einen um erfahrene Profis handelte, darunter Tim Atkin, John Avery, Stephen Spurrier. Und zum anderen waren sie allesamt unverdächtig, österreichische Fans und also voreingenommen zu sein. Das mag sich nach dieser Probe freilich geändert haben. Ein anderer Clou ist, daß die Teilnehmer vom Ergebnis der großen Blindprobe derart perplex waren, daß man eine weitere kleine Verkostung mit sechs Weinen der Jahrgänge 1990 und 1992 dranhängte – drei Grüne Veltliner und drei internationale Chardonnays bester Provenienz - und siehe da, die ersten drei Plätze belegten souverän und wie gehabt die Österreicher Knoll, Prager, Bründlmayer!

 

Das Resultat der Probe in London mit den zehn erstplazierten Weinen (von insgesamt 36), bewertet nach dem 20-Punkte-System :

Rang  1: 1990 Grüner Veltliner „Vinothekfüllung“, Emmerich Knoll, Wachau (18,09 Punkte) Rang  2: 1997 Grüner Veltliner „Ried Lamm“, Bründlmayer, Langenlois (17,78)
Rang  3:1997 Chardonnay „Tiglat“, Velich, Burgenland (17,67)
Rang  4:1990 Grüner Veltliner „Steinriegl“ Smaragd, Prager, Wachau (17,66)
Rang  5:1998 Byron Chardonnay „Nielson Vineyards“, Mondavi, Kalifornien (17,63)
Rang  6:2000 Grüner Veltliner “Exceptionell“, Freie Weingärtner, Wachau (17,54)
Rang  7:1999 Grüner Veltliner „Spiegel“ Alte Reben“, Loimer, Langenlois (17,51)
Rang  8:1996 Chardonnay „Dutton Ranch“, Kistler, Kalifornien (17,51)
Rang  9:1999 Chardonnay  „100 % Barrique“, Mulderbosch, Südafrika (17,48)
Rang 10:1990 Chardonnay, Bründlmayer, Langenlois ( 17,33).

Die gesamte Ergebnisliste kann abgerufen werden bei „Paulson Rare Wine“ Internet: www.rare-wine.com

August F. Winkler

Quelle: arsVivendi
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