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Early morning tea – jetzt gibt es köstlichen First Flush im Handel
Tee & Geist
Der „early morning tea“ ist ohne Zweifel der attraktivste englische Beitrag zur Hebung der Alltagskultur. Schon die erste Tasse, klassisch am Bett serviert oder im Bad zwischen Rasur und Dusche genossen, öffnet einem den Tag auf besonders sinnliche Weise. So ein zarter Darjeeling leuchtet aus dünnem Porzellan wie der schönste Sonnenaufgang. Man schmiedet Pläne und hat selbst als Morgenmuffel das Gefühl, die Welt ab sofort ein bisschen umarmen zu können.

Tee ist schließlich mehr als aufgebrühtes Wasser. Tee ist eine Weltanschauung, darüber hinaus freilich angewandter Genuß und eine wunderbar gesunde Droge für den Geist. Er trimmt die Gehirnzellen und sensibilisiert die Nerven. Tests ergaben, dass Mathematiker mit Tee schneller Aufgaben lösen als nach Kaffee. Tee ist als Stimulans also jederzeit willkommen, und so ist es nur eine Frage der Grundstimmung, mit welcher Sorte man sich seinen early morning tea zelebriert. Wie beim Wein ist auch beim Tee die geschmackliche Vielfalt nahezu unendlich vom floralen Darjeeling und dem malzigen Assam oder herbfruchtigen Ceylon über den halbfermentierten Oolong bis zur reichen Palette der Grünteees.

Dank sehr guter klimatischer Bedingungen in Darjeeling sind jetzt die ersten First Flush-Tees im Handel, die in ihrem spritzigen Charme und dem klassischen Maiglöckchenduft geradezu bilderbuchhaft für die Begrüßung des neuen Tages geeignet sind. Rainer Schmidt, Teemeister und Importeur nahe Hamburg, schwärmt wie selten in den letzten Jahren von der Klasse der diesjährigen Ernte: „Es lohnt sich wieder, diese Tees zu trinken, zu verkosten, zu genießen. Spritzige, belebende Frische, frühlingshafter intensiv blumiger Duft, zarte Herbe, nachhaltiger Geschmack.“ Wenn die Gebirgssonne über dem Himalaya im März die ersten Triebe weckt, beginnt in Darjeeling die Pflückperiode. Je nach Wetterlage wird vier bis sechs Wochen lang First Flush produziert. Guter First Flush schmeckt zart, frisch und blumig. (Mehr Details gibt es auf der Homepage von Rainer Schmidt: www.teeverkostungen.de)

Um den Tee gut zuzubereiten bedarf es entgegen landläufiger Meinung weder schöner Sprüche noch prätentiöser Gesten. Ob die Kanne aus Porzellan, Ton, Glas oder Silber ist, bleibt dem persönlichen Stilempfinden überlassen. Wichtig ist das Wasser: je weicher, desto besser. Wer hartes Wasser hat, sollte entweder stilles Quellwasser aus Flaschen probieren oder das Leitungswasser kurz aufwallen lassen (dabei verdampft Chlor und der Kalk setzt sich ab). Vor allem die zarten Darjeelings und hochwertiger Grüntee können in hartem Wasser nicht aufblühen; sie schmecken leicht unelegant wie Abwasch. Auch der milde, zartrauchige Keemun aus China mit seinem diskreten Nußaroma verlangt nach weichem Wasser. Hingegen nehmen es der malzwürzige Assam, der rustikale Ceylon, der vanillige Oolong oder gar ein Earl Grey auch mit höheren Wassergraden auf.

Leidenschaftlich diskutiert wird die Frage des Zuckerns. Süßstoff ist abzulehnen, der verfälscht den Teegeschmack. Brauner Kandis paßt zu malzigem Assam und Ceylon. Etwas Süße vermag bei kräftigen Teesorten das Aroma zu heben. Grüntees und auch die finessigen First Flush schmecken in der Regel besser ohne Zucker. Gleiches gilt für hochwertige Plantagentees aus Darjeeling. Aber bitte, gut ist, was gefällt. Und das hat der Dichter und Genußmensch Puschkin so beschrieben: „...beim teegefüllten Glase, am Zucker knabbernd in Ekstase.“
Quelle: August F. Winkler
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